Korruptionsprävention - Edukation

Livestream "Eine Hand wäscht die andere"

Aus dem Arbeitsalltag von Korruptionsbekämpfern berichteten ein Staatsanwalt und der Direktor des BAK per Livestream an interessierte Schülerinnen und Schüler in ganz Österreich.

"Hohes Gericht, sehr geehrter Herr Verteidiger, Herr Angeklagter, geschätztes Auditorium, die zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption legt dem Angeklagten zur Last, er habe dem für die Vergabe von Bauaufträgen in der Gemeinde zuständigen Mitarbeiter für die pflichtwidrige Vornahme eines Amtsgeschäftes ein Bestechungsgeld von 400.000 € angeboten und gewährt. Er wird hierfür zu einer Freiheitsstrafe von ein bis zehn Jahren sowie zum Ersatz der Kosten dieses Strafverfahrens zu verurteilen sein."

Mit diesen einprägsamen Worten eröffnete Oberstaatsanwalt Mag. Roman Reich, LL.M. von der WKStA den Livestream "Eine Hand wäscht die andere. Aus dem Arbeitsalltag von Korruptionsbekämpfern". Diese Veranstaltung in der BHAK Wien 10 wurde zugleich österreichweit an rd. 115 Handelsakademien und – schulen übertragen.

Mag. Reich und der Direktor des BAK, Mag. Andreas Wieselthaler, MA MSc, referierten über das Phänomen Korruption, seine Erscheinungsformen, seine gesamtgesellschaftliche Bedeutung sowie über Herausforderungen und Erfolge der Antikorruptionsarbeit in Österreich.

Mit einem ähnlich einprägsamen Beispiel führte Mag. Wieselthaler die Eröffnung des Staatsanwalts weiter, um zu erklären was Korruption ist: Korruption spielt sich in einem Dreieck zwischen einem Vollmachtgeber und zwei Tätern aus. Wenn die Republik Österreich Lenkerberechtigungen ausgeben möchte, muss sie dazu eine Vollmacht an Referenten weitergeben. Wenn sich diese Referenten bestechen lassen und Führerscheine an ungeeignete (ungeprüfte) Personen ausstellen, wird der Straßenverkehr unsicherer und die Allgemeinheit dadurch geschädigt. Anhand weiterer Beispiele wurde auch auf die Korruptionsprävention eingegangen, die versucht, Strukturen zu ändern, sodass Korruption nicht mehr so einfach möglich ist.

Am Ende des Vortrags stellten die anwesenden und die per Livestream zugeschalteten Schüler einige teilweise auch sehr fordernde Fragen an den Staatsanwalt Mag. Reich und den Korruptionsbekämpfer Mag. Wieselthaler. Ob der Kampf gegen Korruption nicht ein verlorenes Rennen sei, verneinten die Vortragenden. Auch wenn nicht alle Straftäter erwischt werden, führen die Ermittlungen und Verfahren oft zu Änderungen in der Gesetzgebung und in der Wahrnehmung der Bevölkerung, also somit zu wichtigen Veränderungen. Außerdem führt die Strafverfolgung zu einer abschreckenden, (general-)präventiven Wirkung gegenüber potentiellen Straftätern.

Die abschließende Frage bezog sich auf mögliche Berufsperspektiven in der Korruptionsbekämpfung. Eine Bewerbung für die Staatsanwaltschaft (den Richterberuf)steht allen Absolventinnen und Absolventen eines Jusstudiums nach der Gerichtspraxis offen. Die Korruptionsbekämpfung bietet auf Seiten des Innenministeriums mehrere Karrierebilder: die Laufbahn als Ermittlerin oder Ermittler für Personen im Polizeidienst oder ein Einstieg als Zivildiener oder Praktikant im BAK für Spezialistinnen und Spezialisten im IT-Bereich, die im Bereich Datenforensik arbeiten wollen.

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Foto: ©  BAK
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Foto: ©  BAK
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Foto: ©  BHAK Wien 10.

Artikel Nr: 15925 vom Dienstag, 29. Mai 2018, 06:56 Uhr
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